Buchrezension in "Kunst & Kante 3/26"

Buchempfehlung: Der Weiße und der Rote Mond

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Ich muss ein Geständnis ablegen: Im Großen und Ganzen lässt mich das Fantasy-Genre kalt. Zu oft überschwemmen stereotype Welten und die immer gleichen Abziehbilder den Markt. Doch dann stolpert man per Zufall über ein Buch, das alles anders macht. „Der weiße und der rote Mond“ ist der furiose Auftakt des fünfbändigen Asterion-Zyklus von Dr. Thomas Piesbergen - und ein absolut phantastisches Leseerlebnis.

Welcher Rollenspieler wünscht sich nicht sehnlichst, einmal in die Haut des eigenen Charakters zu schlüpfen? Doch was, wenn das wirklich passiert? Ein mysteriöses Spiel versetzt die Freunde Jonathan und Henri nach Asterion - eine fremde Welt, die von Machtkämpfen, religiösem Wahn und Gewalt erschüttert wird.

Auf der Suche nach einem Rückweg geraten sie in die Fänge übernatürlicher Wesen und eines grausamen Kultes. Der Roman beleuchtet intensiv, was diese Extremsituation mit ihrer Freundschaft macht. Ein genialer Kniff ist zudem die geheimnosvolle Qyü, die sich auf den Weg in die Menschenwelt macht. Wie sie in die Geschichte gehört, ist einer der interessantesten Schachzüge des Buches.

Was Asterion so stark macht, ist der Verzicht auf Elfen. Zwerge und Standard-Fantasy. Das erhöht das Lesevergnügen enorm und öffnet einen völlig neuen Blickwinkel. Man merkt in jeder Zeile, dass Piesbergen mit immenser Liebe zum Detail ans Werk gegangen ist. Die Kulturen, die Wesen, die Namen ergeben alle Sinn, wirken organisch und real. Ohne sprachliche Keulen werden sofort plastische Bilder vor dem geistigen Auge heraufbeschworen. Wer die düsteren Nuancen von H.P. Lovecraft mag, wird diese Welt lieben.

Dass das Buch diese Tiefe besitzt, kommt nicht von ungefähr. Der Hamburger Autor, Dozent für Storytelling und Musiker studierte Archäologie und Ethnologie, grub in Äthiopien aus und leitete jahrelang das St.Pauli Folk Festival. Hier schreibt jemand, der Kulturen nicht nur erfindet, sondern sie versteht. Nach 18 Jahren Arbeit ist dieser erste Teil seiner „Alternative Fantasy“ nun endlich da.

„Der weiße und der rote Mond“ weitet die Grenzen des Genres und sticht aus dem literarischen Einerlei heraus. Eine absolute Empfehlung für Kunst & Kante. Da im Herbst bereits Band zwei erscheint, bin ich definitiv an Bord.

Kunst & Kante, 3/2026



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